Stiefmütterchen statt Vergissmeinnicht

 

Deutschland 2025, 66 Min, OV
Regie: Kerstin Pommerenke

Dokumentarfilm + Gespräch mit der Regisseurin

 

In Müllheim ließ man 1968, dreißig Jahre nach der Verwüstung in der Reichspogromnacht 1938, das jüdische Synagogengebäude abreißen. Auf dem frei gewordenen Gelände in der Hauptstraße baute man einen Parkplatz. Zum Gedenken an die jüdische Gemeinde und als Erinnerung an die Synagoge steht seit 1973 ein Gedenkstein in einer Ecke des Platzes.

Wie kam es zu dem späten Abriss 1968? Was waren die Umstände und die Stimmung damals in Müllheim? Gab es ein Bewusstsein über die politische und gesellschaftliche Bedeutung und Tragweite des Abbruchs? Wie öffentlich wurden die Abrisspläne gemacht und besprochen? Wie war die örtliche Berichterstattung?

Protokolle des Gemeinderats aus der Nachkriegszeit, der Schriftverkehr der Stadt Müllheim mit dem Oberrat der Israeliten in Karlsruhe und jüdischen Interessenten, die das Gebäude erhalten wollten, geben teilweise Antworten auf diese Fragen. Ebenso versucht der Künstler Bernd Völkle, der in den 1960er-Jahren sein Atelier in der ehemaligen Synagoge hatte, Antworten zu geben. Er erzählt aus seinen Erinnerungen mit Fotos und Filmaufnahmen aus seinem Privatarchiv.

Der Film thematisiert die Auseinandersetzung mit jüdischem Erbe anhand der Stadt Müllheim. Denn neben dem Abriss der Synagoge gab es auch konstruktive Ansätze mit der jüdischen Vergangenheit Müllheims umzugehen: Errichtung eines Gedenksteins auf dem Jüdischen Friedhof 1987, Einladung der Holocaustüberlebenden 1987 und die Verlegung von Stolpersteine 2006. Weitere Weggefährten, Historiker und Stadtarchivar Dirschka begleiten die Filmemacherin auf ihrer Spurensuche. Dies macht den Film zu einem wertvollen Beitrag zur Stadtgeschichte, welcher die Erinnerung an die jüdische Gemeinde wieder lebendig werden lässt. Aber zeigt auch, wieviel persönliches Engagement es braucht, die Erinnerung zu bewahren.

Kerstin Pommerenke, seit 2016 in ihrer Heimatstadt Müllheim tätig, ist mit diesem Film ein eindrückliches und eindringliches Plädoyer für einen konkreten Erinnerungsort an die ehemalige jüdische Gemeinde gelungen.

In Kooperation mit dem Kommunalen Kino, NS Dokuzentrum und dem Bündnis gegen Antisemitismus

ZUM HOLOCAUST-GEDENKTAG

Das Vermächtnis der sieben Schachteln

Spanien 2018 | OmeU – Spanisch, Katalan, Deutsch mit engl. Untertiteln, 93 Min.

 

 

 

 

Dory Sontheimer, geboren in Barcelona, entdeckte nach dem Tod ihrer Mutter auf dem Dachboden ihres Elternhauses sieben Schachteln mit Briefen, Fotos und Dokumenten. Darin stieß sie auf die ihr bis dahin unbekannte Geschichte ihrer Familie, die in Deutschland von den Nationalsozialist*innen als jüdisch verfolgt wurde. Die Recherche nach ihren Vorfahr*innen führte sie nach Freiburg – und dann nach Israel, Tschechien, Argentinien, Kanada und in die USA. 

In Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus